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Was ist ein Highball? Unterschied zwischen Highball und Longdrink erklärt

5. Sept.
8 Min. Lesezeit

Es gibt Cocktails, die mit einer langen Zutatenliste beeindrucken.

Und dann gibt es den Highball.

Spirituose, Eis, ein kohlensäurehaltiger Filler – fertig.

Zumindest auf den ersten Blick.


Whisky Soda Highball wird in einem hohen Glas mit viel Eis zubereitet

Denn gerade bei einem Drink, der aus so wenigen Komponenten besteht, lassen sich Fehler kaum verstecken. Ist das Glas nicht kalt genug, schmilzt das Eis zu schnell. Ist die Kohlensäure bereits verloren, fehlt dem Drink seine Spannung. Ist das Verhältnis von Spirituose und Filler schlecht gewählt, wird er entweder langweilig oder unnötig alkoholisch.

Vielleicht liegt genau darin die Faszination des Highballs.

Er ist einfach – aber keineswegs anspruchslos.


Und 2026 erlebt die klassische Drink-Kategorie wieder deutlich mehr Aufmerksamkeit. In aktuellen Bar- und Getränketrends stehen leichtere, erfrischende und unkomplizierte Drinks wieder stärker im Mittelpunkt. Auch klassische Kombinationen wie Gin & Tonic, Whisky Highball oder Spritz-Varianten profitieren davon.


Aber was ist ein Highball eigentlich genau? Ist ein Gin Tonic ein Highball? Ist Rum-Cola einer? Und wo liegt der Unterschied zwischen einem Highball und einem Longdrink?

Die Antwort ist etwas komplizierter, als man zunächst denkt.


Was ist ein Highball?


Ein Highball ist eine Cocktail-Kategorie, die klassischerweise aus einer Basisspirituose, einem größeren Anteil alkoholfreiem Filler, Eis und einem hohen Glas besteht.

Besonders charakteristisch ist der kohlensäurehaltige Filler.


Typische Beispiele sind:

  • Whisky & Soda

  • Gin & Tonic

  • Whisky & Ginger Ale

  • Rum & Cola

  • Vodka Soda (aka Skinny Bitch)


Das Grundprinzip lässt sich deshalb vereinfacht so zusammenfassen:

Spirituose + Eis + kohlensäurehaltiger Filler + hohes Glas


Allerdings gibt es keine weltweit verbindliche Definition, die jede Bar und jedes Cocktailbuch exakt gleich verwendet. Gerade die Abgrenzung zwischen Highball und Longdrink wird in der Fachliteratur und in der Barpraxis teilweise unterschiedlich gehandhabt.

Und genau deshalb lohnt sich ein Blick auf die Geschichte.


Vodka Soda - ein klassischer Highball wird in einem Glas serviert

Was ist der Unterschied zwischen Highball und Longdrink?


Highball und Longdrink werden häufig synonym verwendet – streng genommen sind die Begriffe aber nicht unbedingt identisch.


Long Drink ist die weiter gefasste Bezeichnung für größere, meist auf Eis servierte Mixgetränke. Ein Highball wird dagegen häufig als spezifischere Form verstanden, bei der ein kohlensäurehaltiger Filler eine zentrale Rolle spielt.


Ein Longdrink kann beispielsweise Spirituose mit Fruchtsaft oder einem anderen stillen Mixer kombinieren. Beim klassischen Highball steht dagegen die Verbindung von Spirituose und Kohlensäure stärker im Mittelpunkt.

Eine sinnvolle Faustregel lautet daher:

Longdrink ist der größere Oberbegriff. Highball bezeichnet eine besonders typische Form davon – Spirituose, Eis und kohlensäurehaltiger Filler im hohen Glas.

Ganz trennscharf ist diese Definition allerdings nicht.

In der internationalen Barwelt werden die Begriffe teilweise unterschiedlich verwendet. Auch Glasgröße, Spirituosenmenge und Zubereitungsweise sind keine weltweit einheitlichen Kriterien.


Ist jeder Highball ein Longdrink?


Im weitesten Sinne kann man einen Highball als Long Drink betrachten.

Umgekehrt ist aber nicht jeder Longdrink automatisch ein klassischer Highball.

Der entscheidende Unterschied liegt weniger darin, wie hoch das Glas ist, sondern vielmehr darin, welche Struktur der Drink besitzt.


Ein Whisky mit Soda entspricht sehr eindeutig dem klassischen Highball-Prinzip.

Ein Vodka mit Orangensaft ist zwar ein Longdrink, wird aber nicht automatisch als klassischer Highball bezeichnet.

Die Begriffe überschneiden sich also – sie sind aber nicht vollständig austauschbar.


Woher kommt der Begriff Highball?


Die Geschichte des Highballs beginnt spätestens im späten 19. Jahrhundert.

Eine der frühesten bekannten schriftlichen Verwendungen des Begriffs „high ball“ findet sich bereits 1894 im amerikanischen Theaterstück My Friend From India von Ha Du Souchet. Dort wird ein „high ball of whiskey“ erwähnt.


Nur ein Jahr später erscheint der Begriff auch in gedruckten Cocktailbüchern.

Chris F. Lawlor beschreibt 1895 in The Mixicologist einen High Ball aus Eis, Seltzer und Brandy oder Whiskey. Das Getränk wurde in einem dünnen, hohen Glas serviert. Auch Herbert W. Green veröffentlichte 1895 ein Rezept für einen High Ball.

Das ist interessant, denn die Grundidee des Highballs war damit bereits vor mehr als 130 Jahren erstaunlich ähnlich zu dem, was wir heute darunter verstehen.

Spirituose, Eis und viel kohlensäurehaltiges Wasser.


ein Whisky wird für den Horse´s Neck Highball mit Ginger Ale aufgefüllt

Warum heißt der Drink eigentlich Highball?


Hier wird die Geschichte deutlich unsicherer.

Rund um die Herkunft des Namens gibt es mehrere Erklärungen – und keine davon lässt sich mit letzter Sicherheit als alleinige Wahrheit belegen.


Die Eisenbahn-Theorie


Eine häufig erzählte Geschichte führt den Begriff auf die amerikanische Eisenbahn zurück.

Dort bezeichnete ein hoch stehendes Signal beziehungsweise eine hochgezogene Signalkugel freie Fahrt. „Highball“ wurde im Eisenbahnjargon entsprechend mit einer Aufforderung zum schnellen Weiterfahren verbunden.

Die sprachliche Verbindung zwischen „highball“ und Eisenbahnsignalen ist tatsächlich historisch belegt. Ob dieses Signal allerdings der Ursprung des Cocktailnamens war, lässt sich nicht zweifelsfrei beweisen.


Das hohe Glas als Erklärung


Eine andere Erklärung ist wesentlich einfacher: Der Drink wurde in einem hohen Glas serviert – also „high“.

Auch diese Erklärung klingt plausibel, ist aber ebenfalls nicht eindeutig als Ursprung des Begriffs nachgewiesen.


Welche Geschichte stimmt?


Vielleicht ist die ehrlichste Antwort deshalb:

Wir wissen es nicht sicher.

Die frühe Verwendung des Begriffs lässt sich dokumentieren. Die genaue Entstehung des Namens dagegen bleibt Gegenstand verschiedener historischer Erklärungen.

Und genau solche offenen Fragen machen Cocktailgeschichte interessant.


Wie sah der erste Highball aus?


Der historische Highball war deutlich einfacher als viele moderne Varianten.

Das 1895 veröffentlichte Rezept von Chris Lawlor sah Eis, Seltzer und Brandy oder Whiskey vor. Das Seltzerwasser (also Wasser mit Kohlensäure) wurde bis kurz unter den Glasrand gefüllt, die Spirituose anschließend darübergegeben.

Damit war der historische Highball im Grunde eine sehr reduzierte Kombination aus:

Spirituose + Wasser + Kohlensäure + Eis.


Von Tonic Water, Ginger Ale oder Cola war in diesem ursprünglichen Rezept noch keine Rede.

Das zeigt auch, wie sich die Highball-Kategorie im Laufe der Zeit entwickelt hat.


Sodawasser für einen Highball

Warum ist Kohlensäure beim Highball so wichtig?


Kohlensäure macht einen Highball nicht einfach nur „spritzig“.

Sie beeinflusst Aroma, Mundgefühl und Trinkempfinden des gesamten Drinks.

Ein kohlensäurehaltiger Filler bringt Frische und Spannung. Gleichzeitig kann die Kohlensäure die Wahrnehmung von Süße, Säure und Alkohol verändern.

Das ist einer der Gründe, warum ein Highball trotz weniger Zutaten technisch anspruchsvoll sein kann.

Je einfacher die Rezeptur, desto stärker fallen Qualitätsunterschiede auf.

Das gilt auch für das Eis.


Welche Rolle spielt Eis beim Highball?


Ein Highball wird normalerweise großzügig mit Eis serviert.

Das Eis hat dabei mehrere Aufgaben:

Es kühlt den Drink, verdünnt ihn kontrolliert und hält ihn während des Trinkens kalt.

Gerade bei einem Highball ist die Verdünnung wichtig. Ein Drink mit zu wenig Eis kann sich schneller erwärmen und durch das schmelzende Eis den Highball unnötig verdünnen.


Große, gut gefrorene Eiswürfel können dabei helfen, die Verdünnung besser zu kontrollieren.

Das bedeutet allerdings nicht, dass „möglichst wenig Wasser“ immer besser ist.

Ein guter Cocktail braucht Verdünnung.

Die Kunst besteht darin, die richtige Menge zu erreichen.


Tipp: Lies dazu unseren Artikel "Warum Barkeeper immer so viel Eis verwenden"


Ist Gin Tonic ein Highball?


Ja.

Nach der heute weit verbreiteten Definition erfüllt der Gin Tonic die wesentlichen Merkmale eines Highballs:

  • Gin als Basisspirituose

  • Tonic Water als kohlensäurehaltiger Filler

  • Eis

  • hohes Glas

Gleichzeitig ist Gin Tonic natürlich auch ein Longdrink.

Das zeigt sehr schön, warum sich die Begriffe nicht gegenseitig ausschließen.

Ein Gin Tonic kann gleichzeitig Longdrink und Highball sein.


Ist Rum-Cola ein Highball?


Auch Rum-Cola lässt sich in der Highball-Kategorie einordnen.

Rum und Cola werden auf Eis im hohen Glas serviert und durch einen kohlensäurehaltigen Filler verlängert.

Kommt zusätzlich Limette dazu, sprechen wir klassischerweise vom Cuba Libre.

Damit unterscheiden sich die beiden Drinks trotz ähnlicher Grundidee:

Rum + Cola = Rum-Cola

Rum + Cola + Limette = Cuba Libre


Ist Gin Tonic oder Rum-Cola der bekannteste Highball?


Eine weltweit belastbare Rangliste der „bekanntesten Highballs“ gibt es nicht.

Im deutschsprachigen Raum spricht allerdings einiges für den Gin Tonic. Aktuelle Gastronomiedaten zeigen ihn weiterhin als einen der besonders häufig bestellten Longdrinks, während internationale Cocktail-Rankings Gin & Tonic ebenfalls regelmäßig weit vorne führen.

Dabei sollte man allerdings zwischen Suchinteresse, tatsächlichem Konsum und Gastronomie-Bestellungen unterscheiden.

Wer nach einem Gin-Tonic-Rezept sucht, muss den Drink schließlich nicht zwingend bestellen oder trinken.

Gin Tonic und Rum-Cola gehören deshalb beide zu den bekanntesten Vertretern der Highball-Familie – welcher davon „der bekannteste“ ist, lässt sich seriös nicht eindeutig bestimmen.


rum cola highball

Welche klassischen Highball Cocktails sollte man kennen?


Einige Highballs haben sich zu echten Klassikern entwickelt.

Highball

Basisspirituose

Filler

Gin Tonic

Gin

Tonic Water

Whisky Highball

Whisky

Soda

Scotch & Soda

Scotch Whisky

Soda

Whisky Ginger

Whisky

Ginger Ale

Rum & Cola

Rum

Cola

Cuba Libre

Rum

Cola + Limette

Vodka Soda

Vodka

Soda

Vodka Tonic

Vodka

Tonic Water

Horse's Neck

Whisky oder Brandy

Ginger Ale

Die Liste zeigt auch, wie vielseitig das Grundprinzip ist.

Die Spirituose bestimmt den Charakter – der Filler verändert ihn.

Ein Whisky mit Soda wirkt völlig anders als derselbe Whisky mit Ginger Ale.


Der Whisky Highball – warum Japan daraus eine eigene Barkultur gemacht hat


Eine besondere Stellung nimmt der Whisky Highball in Japan ein.

Dort wurde aus der einfachen Kombination von Whisky und Soda eine regelrechte Barkultur.

Der japanische Whisky Highball wird besonders kalt serviert und lebt von kontrollierter Verdünnung, hochwertigem Eis, kaltem Soda und möglichst lange erhaltener Kohlensäure.

Dadurch wird aus einer scheinbar simplen Mischung ein Drink, bei dem Temperatur, Eis, Kohlensäure und Technik eine entscheidende Rolle spielen.

Der japanische Zugang zeigt besonders gut, dass ein Highball nicht zwangsläufig ein „schnell zusammengeschütteter Longdrink“ sein muss.


Wie macht man einen Highball richtig?


Ein guter Highball braucht keine komplizierte Bartechnik.

Aber ein paar Details machen einen deutlichen Unterschied.


1. Das Glas gut kühlen

Ein kaltes Glas hilft dabei, den Drink länger frisch zu halten.

2. Großzügig Eis verwenden

Das Glas sollte ausreichend mit Eis gefüllt sein.

3. Die Spirituose auf das Eis geben

Die Spirituose wird zunächst mit dem Eis gekühlt.

4. Den Filler vorsichtig eingießen

Soda, Tonic Water oder Ginger Ale sollten möglichst kalt sein.

5. Nur vorsichtig rühren

Zu kräftiges Rühren kann unnötig viel Kohlensäure aus dem Drink treiben.

6. Sofort servieren

Ein Highball lebt von Kälte und Kohlensäure.

Beides hält nicht ewig.


Wie stark ist ein Highball? Mischverhältnis und Alkoholgehalt erklärt


Ein Highball kann durch Eis, Kohlensäure und einen großen Anteil Filler erstaunlich leicht wirken.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass er wenig Alkohol enthält.

Nehmen wir als Beispiel 4 cl einer Spirituose mit 40 % vol.

Diese 4 cl enthalten zunächst:

4 cl × 40 % = 1,6 cl reinen Alkohol


Das entspricht bei einer Ethanoldichte von rund 0,793 g/ml etwa 12,7 g reinem Alkohol. Die WHO verwendet denselben Dichtewert für die Umrechnung von Alkoholvolumen in Gramm.

Das Mischverhältnis verändert anschließend die Konzentration des fertigen Drinks:

Verhältnis

Beispiel

Alkoholgehalt ohne Eisverdünnung

Reiner Alkohol aus 4 cl Spirituose

1 : 2

4 cl + 8 cl Filler

ca. 13,3 % vol.

12,7 g

1 : 3

4 cl + 12 cl Filler

10,0 % vol.

12,7 g

1 : 4

4 cl + 16 cl Filler

8,0 % vol.

12,7 g

1 : 5

4 cl + 20 cl Filler

ca. 6,7 % vol.

12,7 g

Die Werte beim Alkoholgehalt sind theoretische Berechnungen vor der zusätzlichen Verdünnung durch schmelzendes Eis.


Das ist ein wichtiger Unterschied:

Das Mischverhältnis verändert den Alkoholgehalt in % vol., nicht aber die ursprüngliche Menge Alkohol aus den 4 cl Spirituose.

Ein 1:4-Highball mit 4 cl einer 40-prozentigen Spirituose enthält also zunächst dieselbe Menge reinen Alkohol wie ein 1:2-Highball mit denselben 4 cl Spirituose.

Er schmeckt allerdings deutlich leichter.


Wenn dich die tatsächliche Alkoholmenge verschiedener Cocktails interessiert, habe ich dazu auch einen eigenen Beitrag über den Alkoholgehalt von Cocktails zusammengestellt.


Warum Highballs 2026 wieder interessant sind


Der Highball passt erstaunlich gut zur aktuellen Entwicklung der Barkultur.

Nach Jahren, in denen Cocktails immer komplexer und aufwendiger wurden, interessieren sich Gäste zunehmend wieder für leichte, klare und gut trinkbare Drinks.

Das bedeutet nicht zwangsläufig weniger Alkohol.

Es geht vielmehr um Balance, Frische und Trinkbarkeit.

Ein Whisky Highball kann beispielsweise nur aus Whisky, Soda und Eis bestehen – und trotzdem wesentlich anspruchsvoller sein, als es die kurze Zutatenliste vermuten lässt.


Highball selber machen – einfach, aber nicht langweilig


Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke des Highballs.

Er gehört zu den einfachsten Cocktails, die man zu Hause zubereiten kann – und gleichzeitig zu den Drinks, an denen sich gutes Barhandwerk besonders gut erkennen lässt.

Wenn nur zwei oder drei wesentliche Zutaten im Glas landen, kann man sich nicht hinter einer langen Zutatenliste verstecken.

Gutes Eis.

Eine passende Spirituose.

Frischer, kalter Filler.

Das richtige Verhältnis.

Saubere Technik.

Mehr braucht ein guter Highball manchmal nicht.


Highballs sind einfach – aber nicht langweilig


Die Geschichte des Highballs zeigt, dass gute Cocktails nicht zwangsläufig kompliziert sein müssen.

Vom Whisky mit Seltzer im 19. Jahrhundert bis zum modernen Whisky Highball oder Gin Tonic ist das Grundprinzip erstaunlich konstant geblieben:

Eine Spirituose wird mit Eis und einem passenden Filler verlängert – und aus wenigen Zutaten entsteht ein eigenständiger Drink.

Vielleicht erlebt der Highball gerade deshalb eine neue Aufmerksamkeit.

Denn manchmal ist die eigentliche Kunst einer Bar nicht, möglichst viele Zutaten in ein Glas zu bekommen.

Sondern mit wenigen Zutaten das Richtige zu machen.

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