Tequila und Mezcal – was macht sie so besonders und einzigartig?
- Mate KENDE

- 7. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Das Agaven-Destillate weltweit immer mehr an Beliebtheit gewinnen sieht man nicht zuletzt auch durch Promis und Hollywood-Stars, die ihre eigenen Marken gründen. Einige unter uns denken bei Tequila und Mezcal immer noch an Partyshots mit Salz und Zitrone (oder noch "exotischer" an Orange und Zimt). Wer sich jedoch näher mit diesen Spirituosen beschäftigt, merkt schnell: Es steckt weit mehr dahinter. Neben Tequila und Mezcal gibt es in Mexiko auch Raicilla, Bacanora oder Sotol – und sogar außerhalb Mexikos experimentieren Hersteller in den USA, Australien, Afrika und sogar Europa (Spanien und Portugal) mit Agaven-Destillaten. Jedes Land, jede Region, jede Agavenvarietät bringt eigene Nuancen, Aromen und Traditionen mit.

Die Agave – ein kostbarer Rohstoff
Agaven sind keine Pflanzen, die man jährlich ernten kann. Je nach Sorte brauchen sie etwa zwischen 6 und 25 Jahren, bis sie reif für die Destillation sind.
Das macht sie rar und erklärt, warum hochwertige Agaven-Destillate oft ihren Preis haben. Tequila wird bzw. darf ausschließlich aus der blauen Weber-Agave hergestellt (werden), Mezcal kann dagegen aus über 30 verschiedenen Agavenarten gewonnen werden. Durch die lange Wachstumszeit entstehen intensive, komplexe Aromen, die sich später in jeder Flasche widerspiegeln.
Tradition und Herstellung – warum Mezcal rauchig schmeckt
Was Mezcal von Tequila unterscheidet, ist nicht nur die Agavensorte, sondern auch die traditionelle Herstellung. Nach dem Ernten werden die Agavenherzen in Erdgruben über Holz und Kohle geräuchert. Dieser Schritt verleiht Mezcal seine charakteristische Rauchigkeit.
Agaven für den Tequila werden hingegen in der Regel in großen Autoklaven gedämpft. In beiden Fällen dient dieser Arbeitsschritt der Zuckergewinnung (bzw. der Umwandlung der Stärke/Kohlenhydrate, die in den Pinas in Form von Inulin enthalten sind) für den Gärprozess. Beide Spirituosen werden anschließend an die Fermentation destilliert und zum Teil in Fässern gelagert – von Blanco/Silver, über Reposado und Añejo bis hin zum Extra Añejo.
Neu im Trend ist auch der Cristalino Tequila, ein gefilterter, klarer Tequila mit komplexen Aromen, der sich besonders für Premium-Cocktails eignet.

Die Vielfalt im Glas – Mixto oder 100 % Agave
Nicht jeder Tequila ist gleich. Während 100 % Agave Tequila ausschließlich aus Agavenzucker hergestellt wird, enthält Mixto Tequila bis zu 49 % Zucker aus anderen Rohstoffen. Mezcal folgt ebenfalls klaren Klassifikationen, wobei die Qualität stark von der Agavensorte, der Region und dem traditionellen Herstellungsverfahren abhängt.
Ein Mythos sei an dieser Stelle gleich entkräftet: Im Tequila ist kein Wurm enthalten – das ist eine Marketing-Geschichte, die bei manchen Mezcal-Sorten zu finden ist, aber keinesfalls die Norm.
Tequila und Mezcal im Cocktail
Wer die Spirituosen pur probiert, erlebt ihre Vielschichtigkeit besonders intensiv. Gleichzeitig eignen sich beide perfekt für Cocktails. Klassiker wie Paloma oder Batanga zeigen die Vielseitigkeit, moderne Mixgetränke wie der Naked and Famous beweisen, dass Agaven-Destillate auch in kreativen Drinks brillieren können.
Wer mehr über die Welt der Agaven-Sprits lernen möchte, ist bei meinen Tastings genau richtig – dort erfährst du alles von der Herstellung bis zur Fasslagerung → Tequila & Mezcal Tasting.
Zusammenfassung– Warum Tequila und Mezcal etwas Besonderes sind
Anders als Getreide oder Zuckerrohr kann Agave nicht jährlich geerntet werden. Die Pflanzen benötigen:
6–8 Jahre (Blaue Weber-Agave / Tequila)
8–12 Jahre (Espadín / Mezcal)
15–25 Jahre (Tobalá, Tepeztate, Madrecuishe, Karwinskii-Arten)
Das bedeutet:
1. Agaven sind extrem langsam wachsend
→ Das macht sie zu einem der wertvollsten Rohstoffe in der Spirituosenwelt.
2. Agavenernten sind wetterabhängig
Hitzeperioden, Regenmangel oder Schädlingsprobleme können ganze Jahrgänge zerstören.
3. Nachhaltigkeit und Landmanagement werden entscheidend
Die Nachfrage ist in den letzten 5 Jahren massiv gestiegen (insbesondere in den USA), während die Produktionskapazitäten begrenzt bleiben.
Was macht die Herstellung von Tequila und Mezcal so besonders?
1. Die Ernte: Alles per Hand
Jimadores schneiden die Agaven von Hand.
2. Das Garen
Tequila: meist in großen Druckkochbehältern (Autoklaven) oder in Ziegelöfen gegart
Mezcal: traditionell in mit Holz befeuerten Erdgruben gebacken → Raucharomen
3. Das Fermentieren, dh. die Gärung
Die Hefe entscheidet:
wild fermentiert (Mezcal)
gezielt fermentiert (Tequila)
4. Die Destillation
Kupferbrennblasen oder Lehmöfen (Mezcal) - Stahlbrennblasen (moderne Tequila-Produktion)
5. Die Fassreifung
Silver / Blanco: klar, ungelagert
Reposado: 2–12 Monate
Añejo: 1–3 Jahre
Extra Añejo: 3+ Jahre
Cristalino: gefilterter und somit wieder "klarer" Reposado/Añejo

Warum Tequila und Mezcal besonders und geschmacklich einzigartig sind
Die Aromen entstehen durch:
die Agavenart (z. B. Espadín vs. Tobalá)
die Region
die Garmethode
die Fermentation
die Brennblase
die Reifung
All diese vielen Punkte führen schlussendlich dazu, dass Tequila und Mezcal besonders sind und nicht nur als Shot Getränke verstanden werden sollten.
Vom Terroir der Agave zum Geheimnis des Whiskys
Egal ob Tequila oder Mezcal – die Faszination für Spirituosen beginnt immer beim tiefen Verständnis für Rohstoffe, Destillationsprozesse und die Reifung. Wer die Komplexität einer Agave zu schätzen weiß, wird auch von der Wissenschaft hinter einem erstklassigen Whisky begeistert sein. Die Welten der Destillation ähneln sich oft mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.
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